Eine Veranstaltung des Fachbereichs Geschichte in der Aula der GAZ am 14. März 2019

zeitzeugen 2019Es war eine ungewöhnliche und bewegende Begegnung in der Aula der Reichelsheimer Georg-August-Zinn-Schule (GAZ): Die Abschlussjahrgänge der Stufe 9 und 10 trafen sechs in Israel lebende Überlebende der Judenverfolgung während des 2. Weltkriegs, hörten ihre bewegenden Geschichten und bekamen  Einblick in die Zeit, die rund 75 Jahre zurückliegt.

Weit genug, um für die Jugendlichen als eine Ewigkeit zu gelten, doch so nahe, dass viele aus der Generation, die damals Kinder waren, noch am Leben sind. Zu Beginn der Veranstaltung hatte Patrick Eckert für die erkrankte Schulleiterin Kirsten Gebhard-Albrecht die Gäste begrüßt und seine Freude zum Ausdruck gebracht, dass die GAZ nach 2017 wieder Gäste aus Israel begrüßen konnte - die im Übrigen auch auf Einladung des OJC im Odenwald zu Gast sind.

„Diese Begegnung ist eine einzigartige Gelegenheit, die Berichte von Zeitzeugen zu hören”, kommentiert Dr. Dirk Strohmenger, Sprecher der Fachschaft Geschichte an der GAZ und Verfasser der Studie Nationalsozialismus im Ehrbacher Landkreis 1923-1945. Strohmenger hatte die Veranstaltung organisiert, Zeitzeugengespräche gehören mittlerweile zum Regelprogramm an der GAZ. „Ein Schwerpunkt im Unterricht in der Sekundarstufe ist das Dritte Reich. Alle Kurse werden das ehemalige Konzentrations-und Vernichtungslager Buchenwald besichtigten. Heute können sie aus erster Hand etwas über die Zeit erfahren.”

Das liegt auch dem 85-jährigen Ilan Brunner aus Israel am Herzen. Er wurde als Vierjähriger nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Prag von den Eltern mit seinem älteren Bruder in eines der sog. „Kinderzüge” nach England gesetzt. Die Familie entkam so der Verfolgung und wurde nach dem Krieg im jungen Staat Israel wieder vereint. Den Dialog mit der Nachkriegsgeneration in Deutschland pflegte Brunner schon während seiner Tätigkeit als Pressesprecher der Armee. Seit gut 20 Jahren organisiert er ehrenamtlich Begegnungen zwischen jungen Deutschen und Israelis, die durch Terrorangriffe verletzt wurden, bzw. zwischen israelischen Eltern, die ein wehrpflichtiges Kind durch Terrorangriffe verloren haben. Für sein Engagement im Projekt „Disraelis = Disabled Israelis” wurde er 2014 mit dem ojcos-Stiftungspreis in Reichelsheim ausgezeichnet.

„Mit zunehmender Besorgnis beobachte ich den neu aufkeimenden Antisemitismus und Terror in Deutschland und in der EU”, beklagt Brunner. „Synagogen werden überfallen, Friedhöfe geschändet und Juden auf offener Straße angegriffen. Hat man vergessen, wo die Gewalt durch Radikale und das Wegschauen der Vielen hinführt? Wir sind hier, um daran zu erinnern.” Auch deshalb war die Veranstaltung eine nicht zu unterschätzende Geste, es wurde ausdrücklich die Hand zur Versöhnung gereicht und in anregenden Gesprächen die gemeinsamen Spuren nicht nur der deutsch-jüdischen, sondern der europäischen Geschichte entdeckt. Die ausgestreckte Hand war auf beiden Seiten immer mit dem Versprechen verbunden, zu versöhnen – aber niemals zu vergessen. Und das ein überaus anregendes Gespräch zwischen den Schülern und den teils betagten Gästen, die zwischen 77 und 88 Jahren alt waren, zustande kam, lag auch an der guten Vorbereitung der Schüler, die sich im Unterricht intensiv auf die Begegnung vorbereitet hatten. Und das kam auch auf dem Podium der Zeitzeugen an: „Es war in den Augen der Kinder zu sehen, dass sie uns verstanden haben.“

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