Gedenkveranstaltung am 09.11. an der GAZ

GedenkVeranstalt 1118 01Gerd Schwinn war an diesem Tag mit seiner Oma unterwegs. „Es war ein schöner Tag, geregnet hat es jedenfalls nicht“, erinnert er sich. Und auch Kirsten Gebhard-Albrecht wies in ihrer Begrüßungsrede darauf hin: „Himmelblau, schönes Wetter...“. Für die jüdischen Mitbürger in Reichelsheim und in vielen anderen Orten und Städten in Deutschland hatte dieser Tag, der 09. November 1938, aber nichts Schönes, denn mit ihm begann die Reichspogromnacht, in der sich die Gewalt gegen die Juden endgültig Bahn brach. „Leben wurde vielfach zerstört, unter den Augen der Freunde, Nachbarn sahen zu“, so Gebhard Albrecht.

„Es war eine hochemotionale, fesselnde und gleichzeitig informative Gedenkfeier“, so der einhellige Tenor vieler Besucher, eine würdige Feierstunde, die einen weit größeren Rahmen verdient gehabt hätte. Leider war die GAZ-Aula mit den 140 Schülern der Jahrgangsstufe 10, vielen Gästen und weiteren ca. 30 Mitwirkenden vollbesetzt. Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Oberstufenkurs von Musiklehrer Konrad Dudszus mit einem Pachelbel-Kanon. Dudszus am Klavier sorgte auch gemeinsam mit Manfred Kilthau an der Klarinette für den weiteren musikalischen Rahmen mit 3 Klezmer-Stücken. Darin eingebettet waren dann die zentralen Programmpunkte, die Rede von Dieter Keim und ein szenisches Spiel des DS-Kurses Q3 unter der Leitung von Brigitta Gsell.

„Was den Menschen zum Menschen macht – weg. Die Entpersönlichung war ebenso Programm wie die Legitimation von Gewalt gegen die, die als Feinde gebrandmarkt waren – die Juden.“ Dieter Keim sprach Klartext in seiner zentralen Rede, er machte in insgesamt 10 kurzen Kapiteln die Unmenschlichkeit des Systems verstehbar – auch durch die in die Rede integrierten Zitate von Zeitzeugen. „Wir waren wie berauscht vor Begeisterung.... Es war wie in einer weißen Wolke. Und vor uns Männer, Männer, Männer. Braun. Bunt. Grau. Braun - eine Flut.“ So empfand Luise Solmitz, Frankfurter Lehrerin, als sie einem Marsch von SA und SS zusah. Mit solchen Zitaten übertrugen Samira Laßhof und Hannah Kurfürst aus der 10 f die Stimmung aus der Vorkriegszeit in die Aula. Mit Keims Rede und den O-Tönen war dann der Boden bereitet für das szenische Spiel des DS-Kurses Q3 von Brigitta Gsell.

GedenkVeranstalt 1118 02Bis hierher herrschte schon von Anfang an konzentrierte Ruhe, obwohl die Aula voll war mit Schülern und Beteiligten. Mit Beginn des Spiels der Gsell-Truppe aber wurde es noch stiller, man hätte die buchstäbliche Stecknadel fallen hören können. Grundlage dabei waren die Bücher von Ruth David. Die Jüdin wuchs in Fränkisch-Crumbach auf, schaffte es auf einen Kindertransport per Schiff nach England und überlebte so als Einzige ihrer Familie das Grauen der NS-Zeit. Und dieses Grauen brachten die Oberstufenschüler in Szenen auf die Bühne, die unter die Haut gingen. In eindrucksvollen Bildern wurde anschaulich, wie Konformismus an Courage stieß, wie gewalttätig sinnentleerte Willkür Menschen deformierte. Hier wurde in allgemeingültige Bilder übersetzt, was Dieter Keim vorher so formuliert hatte: „Die Nazis taten alles, um eine Gruppe von Menschen zu entmenschlichen. Es war einer großen Anzahl von Deutschen möglich, das Entsetzliche zu tun, zu beobachten,
geschehen zu lassen. Es hat etwas Einmaliges, keine Frage. Zugleich sage ich aber: Die nationalsozialistischen Deutschen waren leider .... - ganz normale Menschen.“ Ihren würdigen Abschluss fand diese eindrucksvolle Feierstunde in einer Schweigeminute.

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