DDR-Zeitzeugin Birgit Schlicke bewegt Zehntklässler der GAZ

Am Montag, den 1. Juni 2026, fand an der Georg-August-Zinn-Schule Reichelsheim (GAZ) eine besondere Geschichtsstunde statt. Für alle Klassen der Jahrgangsstufe 10 wurde eine zweistündige Veranstaltung organisiert, die Geschichte hautnah erlebbar machte. Zu Gast war erneut die DDR-Zeitzeugin Birgit Schlicke.
Die Veranstaltung wurde von Geschichtslehrer René Beck initiiert und organisiert. Statt eines klassischen Vortrags wurde der Gast mithilfe eines Interviewformats von drei Schülerinnen und Schülern der Klasse 10g befragt.
Birgit Schlicke gab den Jugendlichen tiefe Einblicke in ihr Leben. Sie berichtete zunächst eindringlich aus ihrem normalen Alltag in der DDR. So konnte sie keinen ihrer Brieffreunde in Europa und den USA besuchen und wünschte sich, Westprodukte und Medien frei konsumieren zu dürfen. Im Mittelpunkt standen jedoch ihre dramatische Verhaftung und die anschließende Inhaftierung. Zum Verhängnis wurde ihr in diesem Zusammenhang ein Brief, den sie an eine Menschenrechtsorganisation in Westdeutschland geschrieben hatte und der dort von einem DDR-Spion abgefangen wurde. Schlicke erzählte von den harten Bedingungen im berüchtigten DDR-Frauengefängnis Hoheneck, was das Publikum sichtlich bewegte. Dabei waren vor allem die fehlende Privatsphäre, der psychische Druck und die Zwangsarbeit harte Belastungen.
Zum Abschluss richtete Schlicke emotionale und mahnende Worte an die jungen Zuhörer. Sie forderte das Publikum dazu auf, stets wachsam zu sein, sobald die Demokratie in Gefahr gerate. Gleichzeitig appellierte sie daran, dass jeder Einzelne auch im Kleinen bereits viel bewirken könne, um die Freiheit zu erhalten.

Unser Bild zeigt DDR-Zeitzeugin Birgit Schlicke (rechts) und Studienrat René Beck (daneben), der die Veranstaltung an der GAZ einmal mehr organisiert hatte. Fotocredit: Raoul Giebenhain.