Autor Björn Berenz begeistert das Publikum der Georg-August-Zinn-Schule mit einer humorvollen Krimilesung
Ein bisschen Schweden, eine Prise Mord und Totschlag und dazu jede Menge Humor: Wer am Mittwochabend, dem 4. November, die Aula der Georg-August-Zinn-Schule (GAZ) in Reichelsheim betrat, konnte sich für einige Stunden in die faszinierende Welt Skandinaviens entführen lassen. Der Schriftsteller Björn Berenz war zu Gast und bescherte seinem Publikum einen ebenso unterhaltsamen wie spannenden Literaturabend rund um seine Schwedenkrimis.
Schon die passende Bühnenkulisse ließ erahnen, wohin die literarische Reise gehen sollte. Mit viel Persönlichkeit, Charme und seinem unvergleichlichen Humor nahm der aus der Vulkaneifel stammende Autor die Gäste mit nach Schweden. Mit dem Publikum war Berenz übrigens gleich per Du – „schließlich mache man das in Schweden auch so“, erklärte er augenzwinkernd.
Bevor er aus seinen Büchern las, verriet Berenz zunächst seine ganz persönlichen „Krimiregeln“. Eine gute Grundidee sei unverzichtbar, der Mörder sollte spätestens im dritten Kapitel auftauchen und falsche Fährten dürften natürlich auch nicht fehlen. Ebenso wichtig seien idyllische Schauplätze: Man brauche schließlich Ortschaften, „an denen man zu gerne tot überm Zaun hängen möchte“. Dass sich hinter einer malerischen schwedischen Landschaft durchaus mörderische Abgründe verbergen können, wurde im Laufe des Abends noch mehrfach deutlich.
Im Mittelpunkt der Lesung stand sein Schwedenkrimi „Knäcke Tod“. Darin verschlägt es die Buchhändlerin Ina nach Småland. Sie möchte dort mit ihrer großen Liebe Viggo ein neues Leben beginnen. Doch bei ihrer Ankunft erlebt sie eine böse Überraschung: Viggo ist bereits verstorben. Stattdessen erwartet sie seine Witwe Agneta auf einem ungewöhnlichen Hof, auf dem mehrere ältere Menschen zusammenleben. Als sich in der Umgebung plötzlich verdächtige Todesfälle häufen, nimmt Ina gemeinsam mit den skurrilen Bewohnern selbst die Ermittlungen auf. Berenz präsentierte mehrere Leseproben, die Lust auf mehr machten und das Publikum immer wieder zum Schmunzeln brachten.
Doch der Abend bestand längst nicht nur aus Literatur. Zwischen den einzelnen Lesepassagen nahm Berenz seine Gäste mit auf kleine Entdeckungsreisen durch die schwedische Sprache, Kultur und Traditionen. Passende Bildsequenzen sorgten für die richtige Atmosphäre, während der Autor mit viel Witz und anschaulichen Geschichten so manche Besonderheit des skandinavischen Lebens erklärte. Und natürlich durften auch die berühmten schwedischen Zimtschnecken nicht fehlen. Als Berenz auf die landestypische Köstlichkeit zu sprechen kam, zauberte er zur großen Freude des Publikums kurzerhand das eine oder andere Tablett mit den süßen Leckereien hinter der Bühne hervor.
Immer wieder bezog der Schriftsteller die Zuhörerinnen und Zuhörer aktiv in sein Programm ein – beispielsweise mit einem exklusiven Schwedenquiz, aber auch mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen. Und so wollte eine Besucherin schließlich wissen, wie er es schaffe, so viele Bücher zu schreiben. Berenz’ Antwort fiel ebenso einfach wie einleuchtend aus: „Man braucht feste Zeiten und Rituale. Ich nehme mir jeden Tag vor, 10 Seiten zu schreiben.“
Sein zu Beginn des Abends gegebenes Versprechen, aus den Gästen „waschechte Schweden zu machen“, löste Björn Berenz jedenfalls mühelos ein. Das interaktive Programm, die besondere Atmosphäre, die humorvollen Einblicke in Land und Leute und nicht zuletzt die spannenden Geschichten machten die Lesung zu einem rundum gelungenen Erlebnis. Am Ende blieb nicht nur die Lust, den einen oder anderen Schwedenkrimi selbst zur Hand zu nehmen, sondern auch das Gefühl, für einen Abend tatsächlich ein wenig in Skandinavien gewesen zu sein.
Dass Björn Berenz nicht nur erwachsene Krimifreunde begeistern kann, stellte er am folgenden Tag unter Beweis. Am 5. November stand eine weitere Lesung an der GAZ auf dem Programm – diesmal exklusiv für die fünften Klassen. Dabei wechselte der Autor das Genre und las nicht aus seinen Schwedenkrimis, sondern aus seinen Büchern „Die drei Fragezeichen“.
Federführend organisiert wurden die beiden Veranstaltungen von GAZ-Rektorin Laura Zieres und Studienrat René Beck. Mit der doppelten Lesung gelang es der Georg-August-Zinn-Schule einmal mehr, Literatur auf lebendige und unterhaltsame Weise erlebbar zu machen – für erwachsene Krimifans ebenso wie für die jüngsten Leserinnen und Leser.