Erfolg beim Schreibwettbewerb des Staatstheaters Darmstadt

Elisabeth Missalek aus der 11. Klasse der Georg-August-Zinn-Schule hat beim Schreibwettbewerb „Schreib dich auf die Bühne“ des Staatstheater Darmstadt den ersten Platz in der Kategorie Prosa erreicht. Mit ihrem Text „Ernst des Lebens“ überzeugte sie die Jury zum diesjährigen Motto „Ist das echt?“
Die Preisverleihung fand in der Bar der Kammerspiele des Staatstheater Darmstadt statt. Für die jungen Autorinnen und Autoren wurde die Veranstaltung zu einem besonderen Erlebnis: Schauspieler des Ensembles trugen die prämierten Texte professionell auf der Bühne vor.
Elisabeth hatte ihren Beitrag auf Anregung ihrer Deutsch-Lehrerin Mariette Köster eingereicht. Besonders beeindruckt zeigte sie sich von der Atmosphäre des Abends: „Mit anderen Jugendlichen zusammenzukommen, die sich ebenfalls für kreatives Schreiben interessieren, hat mir gezeigt, dass unsere Stimme gehört wird“, sagte sie im Rückblick auf die Veranstaltung.

Prosatext:
Ernst (des Lebens)         
von Elisabeth Missalek (E2c)

Er träumt. So gut, wie Erwachsene noch träumen können. Von
Freitagen, an denen man frei hat und Samstagen, an denen das Sams
kommt.
Im Regal neben dem Versicherungsordner sitzt ein Stoffhase. Staubige
Ohren, ein kleines Loch im Arm, vielleicht wurde er zu fest gedrückt.
Als Kind mit wilder Zärtlichkeit hinterlässt die Liebe noch Spuren.
Schließlich war er beim ersten Mal bei Oma schlafen dabei, einmal
beim Schüleraustausch, nur die Geschäftsreisen mag er nicht mehr.
Zurück zu Ernst, dessen Knochen zu schnell wuchsen, dass er wirkte,
wie übereifrig gegossen; zu einer Eiche gestreckt. Monokulturen von
Erwachsenen heben ihre Köpfe in den Himmel. Von da oben macht
einem die Dunkelheit keine Angst mehr, dort lauert kein Monster
unterm Bett. Kinderschwer tut man sich nur mit ungeöffneten Briefen
und zu großen Zahlen.
Er geht. So wie Männer gehen, die ihr Ziel schon kennen. Die langen
Beine in Hosen, die nicht mehr Mutter abends rauslegt.
Er wird alt. Brav geht etwas zu Ende, was den Kredit abbezahlt und
die Arbeit erledigt hat.

Ernst wacht auf. Er richtet die Augen auf die Anzeigetafel. Fast hätte
er seinen Halt verpasst, aber da flüsterte etwas seinen Namen. Er hatte
ihn nicht mehr so weich in Erinnerung, er vergaß fast, dass es seiner
war. Beim Pfiff des Schaffners springt er aus dem Wagen, unter ihm
liegt ein neuer Boden.

Am Straßenrand erscheint ein kichernder Kaninchenkönig.
Ernst sieht sich um, ob noch jemand dieses seltsame Wesen
wahrnimmt, doch er blickt nur in gelangweilte Gesichter. Vielleicht
hatte man sich an es schon gewöhnt. Mit einem letzten Zwinkern
schlägt es einen Haken und verschwindet.
Verdutzt geht Ernst zur nächsten Straßenecke und hält Ausschau. Er
läuft – immer schneller – und schaut sich neugierig um.
Im Wind tänzeln gestreifte Socken auf einer Wäscheleine, es flüstert
im dichten Gebüsch, grünkariertes Bonbonpapier küsst den
sonnengewärmten Boden. Hinter jeder Ecke wartet etwas darauf
gesehen zu werden.
Seine Schritte wurden leichter, versunken in das Leben.

Gedicht:
Ist das Kunst oder kann das weg?

An die künstliche Intelligenz
wie viel Kunst da in dir steckt
mit gekünstelter Intelligenz
dein Wissen ins Unendliche erweckt
Wer die Wirklichkeit nicht sieht
Vor dem Schmerz des Lebens flieht
Wenn ich sie nur frage
Bestimmt, wie ich Mensch zu sein habe

„Gerne – hier die Antwort auf ‚Die Frage nach Traum und
Wirklichkeit, Virtualität und Realität‘, ein wenig gefühlvoller, kürzer,
konkret?“

Der Realität lieber ein Trotz sein
Mich aus dem Luftkäfig befreien
Will mich ganz verträumen
In die Welt von morgen

Fotocredit: Mariette Köster.