Wie fühlt es sich an, alles hinter sich zu lassen, um frei zu sein? Mit dieser Frage beschäftigten wir uns, der Geschichtsgrundkurs der Jahrgangsstufe Q4 bei Herrn Scholz, als wir ein Zeitzeugengespräch mit Heidemarie und Bernd Mehnert führten, denen die Flucht aus der DDR gelungen ist. Ihre Geschichte hatten wir bereits vorher im Unterricht behandelt, doch ihnen persönlich zuzuhören, war noch einmal eine ganz andere Erfahrung.
Während des Treffens entstand schnell eine offene und angenehme Atmosphäre. Bei Kaffee und Kuchen konnten wir Fragen stellen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Heidi und Bernd erzählten offen von ihren Erfahrungen und haben uns einen persönlichen Einblick in ihre Geschichte gegeben.
Besonders eindrucksvoll war die Schilderung ihrer Flucht. Heidi musste an einer Stelle zuerst über einen Grenzzaun klettern, ohne zu wissen, ob Bernd ihr folgen konnte. Erst später ist es Bernd gelungen, ebenfalls einen Weg über den Zaun zu finden und zu ihr aufzuschließen. Diese Situation machte deutlich, wie unsicher und gefährlich ihre Flucht tatsächlich war.
Außerdem brachten sie einige Gegenstände mit, darunter Bilder und Bernds selbst gezeichnete Fluchtpläne. Dadurch konnten wir uns ihre Vorbereitung noch besser vorstellen. Bernd erklärte auch, dass ihre Flucht zwar geplant war, aber trotzdem nicht alles kontrollierbar ist: etwa 70 % Strategie und 30 % Glück.
Für uns wirkten Heidi und Bernd wie ein perfektes Team; Bernd hatte die klare Strategie und den Plan, während Heidi den starken Willen hatte, die Flucht wirklich durchzustehen.
Besonders beeindruckend war für uns auch ihr Alter zur Zeit der Flucht. Sie waren 19, ungefähr so alt wie wir heute. Dadurch haben wir uns automatisch gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, in unserem Alter alles hinter uns zu lassen, niemandem etwas zu sagen und einfach zu verschwinden.
Das Gespräch mit den beiden war für uns eine sehr besondere Erfahrung. Es hat uns gezeigt, wie außergewöhnlich ihre Geschichte ist und wie eindrucksvoll es sein kann, Geschichte nicht nur aus dem Unterricht zu kennen, sondern sich wirklich mit ihnen auszutauschen.
Bericht: Samira Klingler